Der vielfach ausgezeichnete Architekt Günter Behnisch ist am Montagmorgen im Alter von 88 Jahren gestorben. Behnisch galt als einer der führenden deutschen Architekten der Moderne, unter anderem bekam er mehrfach den Deutschen Architekturpreis. Weltweite Bekanntheit erlangte Behnisch 1972 durch den Bau des Münchner Olympiastadions. Der gebürtige Dresdner durchlitt die Folgen des Machtmissbrauchs der Nationalsozialisten als Kriegsgefangener in England, bevor er 1947 ins zerbombte Deutschland zurückkehrte. Er zog nach Stuttgart, studierte dort an der Technischen Hochschule, war Mitarbeiter im Architektenbüro von Rolf Gutbrod und gründete Anfang der fünfziger Jahre mit zwei Mitarbeitern sein eigenes Büro.
Das Glasdach des Münchner Olympiageländes machte Behnisch mit einen Schlag international bekannt 1972 wurde Behnisch auf einen Schlag mit seinem schwebenden Stadiondach im Münchner Olympiapark international bekannt .Das viel diskutierte Dach aus Glas sollte ein Zeichen setzen für ein demokratisches Deutschland und den Geist der Nationalsozialisten überstrahlen. Glas dominiert auch das Hysolar-Institutsgebäude in Stuttgart aus dem Jahr 1987 und den Bonner Plenarsaal des früheren Bundestages von 1992. Der baden-württembergischen Landeshauptstadt blieb Behnisch bis zu seinem Tod treu. Er sei zu Hause gestorben, wo ihn seine Frau in den vergangenen Jahren gepflegt habe. Nach mehreren Schlaganfällen sei Behnisch halbseitig gelähmt und auf Hilfe angewiesen gewesen. Er sei jedoch bis zum Schluss ansprechbar gewesen, sagte sein Sohn. „Er hatte ein langes, erfülltes Leben.“
Zu Behnischs letzten spektakulären Arbeiten gehörte der Neubau der Berliner Akademie der Künste am Brandenburger Tor, den er zusammen mit Werner Durth von 1999 bis 2005 für etwa 56 Millionen Euro errichtete. Behnisch folgte auch hier seinem Prinzip des „transparenten Bauens“ mit einer Glasfassade zum Pariser Platz und offenen Etagenübergängen im Inneren, was zu akustischen Problemen im Alltagsbetrieb der Akademie führte und auch Kritik auslöste. Schon in der Entwurfsplanung hatte es Auseinandersetzungen mit den Berliner Stadtplanungsbehörden gegeben, weil die Bausatzung an dieser historischen Stelle der Hauptstadt (zwischen dem wiederaufgebauten Hotel Adlon und der Amerikanischen Botschaft) eigentlich keine durchgehende Hightech-Glasfassade vorsah. „Ich bin gar nicht erst auf die Idee gekommen, da eine Steinfassade zu machen“, sagte Behnisch damals dazu in einem Interview. „Wir wollten schon gar keine Assoziationen an die Großkotzigkeit der Hitler-Architektur und der wilhelminischen Architektur wecken.“ >
Text: dpa
Bildmaterial: APN, ddp, dpa
